Press

Aus dem JGU MAGAZIN (http://www.magazin.uni-mainz.de/5321_DEU_HTML.php)

 

26 Jahre Theater auf Englisch

 

24. Januar 2017

 

"The Day-Old Theatre" ist die älteste Theaterinitiative an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Seit 1991 bringt die freie Studierendengruppe englischsprachige Stücke verschiedenster Couleur auf die Bühne: Hier trifft Shakespeare auf Fantasy, Komödie auf Drama. Ab heute präsentiert die studentische Theatergruppe unter dem Titel "All in the Timing" fünf Einakter von David Ives.

 

Eine Leiche liegt auf dem Läufer. "Is he, is he, is he … dead?", stammelt Sarah Pennworthy-Pilks. Inspector Harry Dexters Blick wandert von seinen Notizen zum Mordopfer. "He has been shot three times through the heart", konstatiert er nüchtern.

Jeremy Thumpington-Fffines ist tot. Seine Gattin Mona Thumpington-Fffines beugt sich über ihn. "He was so alive", klagt sie. Dann allerdings spiegeln sich durchaus zweideutige Gefühle in ihrer Miene und ihren Worten: "He was so terribly, terribly alive." Tatsächlich war Jeremy ein ausgemachter Schwerenöter. Auch die leicht hysterische Sarah hatte bereits das zweifelhafte Vergnügen.

 

Absurdes Theater

David Ives' Einakter "The Mystery of Twicknam Vicarage" bietet so ziemlich alles, was einen Whodunit im Stile Agatha Christies ausmacht – und noch einiges mehr: Er ist Persiflage und schräge Hommage zugleich. Denn während es Krimiautoren gemeinhin darum geht, die Wahrheit aus einem undurchsichtigen Beziehungs- und Wortgeflecht zu schälen, rückt der amerikanische Dramatiker den Irrsinn ins Rampenlicht. Bei ihm wird der Kriminalfall zum absurden Theater. Seine Figuren sind bis zur Karikatur überzeichnet, ihre Dialoge führen ins Leere, in Sackgassen oder seelische Abgründe und wirken dabei zugleich irrsinnig komisch.

Corinna Schattauer spielt die Sarah – doch nicht nur das: Die Studentin kümmert sich auch um die Finanzen und die Pressearbeit des Day-Old Theatre. "Bei uns hat eigentlich jeder mehrere Rollen", erzählt sie am Rande einer Probe im Hörsaal P 1 des Philosophicums. Hier kommt die Theatergruppe kurz vor der Premiere fast täglich zusammen.

"Normalerweise haben wir eine größere Produktion im Sommer und eine kleinere im Winter. Aber diesmal hatten wir so viele neue Leute, die mitmachen wollten, dass wir unser Programm noch ausbauen konnten." Geplant waren drei Einakter von Ives, nun sind es fünf. Insgesamt 18 Akteurinnen und Akteure werden unter dem Titel "All in the Timing" vom 24. bis 27. Januar 2017 auf der Bühne im P 1 zu sehen sein.

 

Jeder kann mitmachen

Jedes Stück beschäftigt sich auf seine eigene Art mit Zeit, mit Timing. In "The Mystery of Twicknam Vicarage" etwa wird die Zeit zurückgedreht. Die fünf Schauspielerinnen – auch die männlichen Rollen sind hier weiblich besetzt – bewegen sich rückwärts, der Tote steht auf, das komische Morddrama entfaltet sich neu.

Nils van der Horst studiert seit Oktober 2016 an der JGU, er ist neu beim Day-Old Theatre. "Ich habe schon zu Hause Theater gespielt und suchte in Mainz Anschluss. Hier wurde ich sehr herzlich aufgenommen. Das habe ich sonst nirgends so erlebt." – "Wir sagen: Bei uns kann jeder mitmachen. Wir versuchen, jede und jeden unterzubringen", meint Schattauer. "Wir schauen dann, wer auf welche Rolle passt und welche Talente sonst noch zum Einsatz kommen könnten. Wir haben auch Leute dabei, die erst mal Backstage anfangen, bevor sie sich dann irgendwann zutrauen, auf die Bühne zu gehen.“

Ann-Kathrin Hanson etwa kam vom Make-up über erste Rollen bis zur Regie: Der Krimi-Einakter ist ihre erste Inszenierung. Wie alle in der Truppe hat sie keine professionelle Erfahrung in diesem Genre, dafür bringt sie neue Ideen mit. "Das ist der Vorteil bei uns", sagt Thomas Pischek, "wir bekommen immer frische Impulse. Bei dieser Produktion haben wir drei Regisseure, zwei davon geben ihr Debüt." Pischek selbst ist seit 2006 dabei. Er kam als Student an die JGU, mittlerweile ist er Doktorand. Er stand 2007 in Tom Stoppards "Rosencrantz and Guildenstern Are Dead" erstmals auf der Bühne, diesmal zeichnet er vor allem für die Werbeflyer verantwortlich.

 

Starkes Gemeinschaftsgefühl

"Wir haben viele, die über Jahre bleiben", sagt Schattauer. "Die Gruppe hält zusammen, das Gemeinschaftsgefühl ist stark." Dabei setzt The Day-Old Theatre nicht auf Vereinsformalien oder Hierarchien. "Wir treffen uns regelmäßig. Jeder kann vorbeikommen. Und wenn eine neue Produktion ansteht, macht auch jeder Vorschläge. Wir diskutieren dann und stellen gemeinsam ein Programm zusammen." Regisseurin oder Regisseur wird, wer originelle Ansätze für ein Stück mitbringt.

The Day-Old Theatre ist die älteste unabhängige studentische Theatergruppe der JGU. Sie wurde 1991 von Daniel Recktenwald, dem damaligen Kodirektor des Actors Theatre Louisville, gegründet. Er kam im Zuge eines Austauschprogramms nach Mainz, brachte die Tradition des Independent Theatre mit und hob die erste Produktion, Edward Albee's "American Dream", mit aus der Taufe. In diesem ersten Stück kam ein Day-Old Theatre vor. Die Truppe übernahm den Namen, auch wenn er im Stück etwas abschätzig für alt oder abgestanden steht.

Abgestanden und alt allerdings wirkt hier nichts: Als nächstes proben Valeria Blinkin und Eric Hoenen. Sie spielen in "Time Flies" zwei turtelnde Eintagsfliegen. Der Text ist wortverspielt, die Romanze muss naturgemäß rasant verlaufen, auch wenn die beiden "Mayflies" noch keinen Schimmer von ihrem kurzen Leben haben. Als Fliegenrüssel halten grüne Trichter her, in Sachen Flügel hat die Truppe aufs übliche Fastnachtsangebot zurückgegriffen. Viel Geld ist nicht übrig für Kostüme oder Bühnenbild, aber das, was da ist an Ausstattung, funktioniert nicht nur, sondern wirkt hier und da sogar außerordentlich passend.

 

Fünf frische Häppchen

"Ohne die Unterstützung des Studierendenwerks und des AStA könnten wir das hier gar nicht machen", erzählt Corinna Schattauer, die sich auch um die Finanzen kümmert. Die Eintrittspreise sind moderat und die Theaterszene an der JGU ist vielfältig, die Konkurrenz um die Zuschauergunst also groß. "Wir schauen immer auch, ob wir Schulklassen einladen können." Das gelingt natürlich eher bei den Shakespeare-Produktionen, bei Harold Pinter oder Oscar Wilde. Ives' absurdes Theater macht schlicht Spaß, es steht auf keinem Lehrplan.

Dafür können sich die Akteurinnen und Akteure, die Regisseurinnen und der Regisseur hier austoben. Auf die Bühne kommen ein sehr spezieller Turmbau zu Babel, ein immer wieder neu startendes erstes Date, drei Affen und Hamlet, die Eintagsfliegenromanze und das Geheimnis um Twicknam Vicarage. Es ist eine große Produktion in kleinen Häppchen, frisch, gut gewürzt und originell.

 

 

Aus der STUZ vom 7. Juli 2015 (http://www.stuz.de/kultur/alice-im-wunder-pub)

von Felicitas Lutz

 

Alice im Wunder-Pub

 

Vom 17. bis 20. Juni gab es im P1 der Mainzer Uni die absurdesten Plays in Pubs zu sehen. Die englischsprachige Theatergruppe der Uni Mainz, The Day Old Theater, begeisterte durch Einakter.

 

Eröffnet wurde das Spektakel von drei singenden Putzfrauen, die zu Journeys Don't stop believin' erstmal die Bühne putzten. Was dann folgte, waren sechs Einakter in zwei Stunden, in denen man in eine Parallelwelt der menschlichen Schreibmaschinen und Gegenteiltage namens Philadelphia eintauchte.

Besonders ergreifend war auch das Stück Soap Opera, in der ein Klempner seine ergreifende Lebensgeschichte und seine emotionale Abhängigkeit von einer Waschmaschine schilderte. Die dominante Maschine (Becca Kaplan) hypnotisierte nicht nur den armen Mario-Verschnitt, sondern gleich das gesamte männliche Publikum. Mit der weißen Robe im Stil einer griechischen Göttin machte sie ohne Frage eine super Figur. Doch gab es dann noch ein Happy End mit der Mia (Uma Nimkar) aus Fleisch und Blut und dem Repairman (Johannes Kraus).

Ebenfalls faszinierend war der wie aus der Pistole kommende Schlagabtausch zwischen Julia Schrupp und Eric Hoenen in Sure Thing. Es zeigte ein Paar, was eigentlich noch keins ist, und wie es immer wieder zu unangenehmen Wendungen während ihres Gesprächs kommt, die eigentlich zum Ende der Unterhaltung führen müssten. Doch dann ertönte ein DING! und die Unterhaltung wiederholte sich so oft, bis ein positiver Ausgang gefunden war. Eine wirklich schöne Idee in der heute so schnelllebigen Gesellschaft, in der ein falsches Wort eine eigentlich vielversprechende Beziehung doch so prompt zu Nichte machen kann.

Am Ende stand das große Finale: Hamlet, gleich zweimal. Zunächst noch innerhalb von 15 Minuten, wurde der tragische Klassiker im Schnelldurchlauf auf die Bühne gebracht und nur die allerwichtigsten Szenen angespielt. Völlig absurd wurde es allerdings im Anschluss, als die letzten drei noch übrigen Minuten kurzerhand für eine letzte Runde rasanten Hamlet genutzt wurden. Ja, richtig gelesen: drei Minuten. Es knallte und bebte auf der Bühne vor lauter in dramatische Tode stürzender Schauspieler. Gesprochen wurden höchstens eine Hand voll Worte. Dem Ganzen zu folgen war mittlerweile ein Ding der Unmöglichkeit. Absolut verrückt, absolutes Chaos, absolut genial.

Die Stücke von Autoren wie Tom Stoppard (Shakespeare in Love), John Patrick Shanley (Moonstruck) und David Ives (Venus im Pelz) wurden urkomisch und voller Charme von der jungen Truppe inszeniert.

Aus der STUZ vom 1. Juni 2015 (http://www.stuz.de/kultur/mit-freud-im-pub)

von Calpo Salmrohr

 

Mit Freud im Pub

 

Das Day-Old Theatre der Uni Mainz präsentiert dieses Jahr eine spannende Sammlung von Einaktern. Mit Plays in Pubs gibt’s vom 17. bis zum 20. Juni absurdes Theater im P1.

 

"Ein Bier und das kleine Absurde bitte“, würde der alte Freud wohl bestellen – und prompt serviert bekommen. Die neue Produktion des Day-Old Theatre (DOT), der englischsprachigen Theatergruppe der Uni Mainz präsentiert kleine absurde Stücke von Ives, Stoppart und Shanley auf einem Teller, garniert mit etwas Schmerz, Zynismus und viel Humor. „Plays in Pubs ist ein wundervoller Ausflug in die Welt des Absurden“, verrät Sebastian, einer der vier Regisseure des DOT. Zusammen mit Corinna, Eric und dem Australier Seb hat er sich eine Reihe von Einaktern vorgenommen, die die großen und manchmal unnützen Themen der Welt beleuchten: Liebe, Leid, Ausdruck und Grammatik. „Es sind die Höhenflüge und die Abgründe menschlicher Kommunikation, die wir in unserer Revue ausloten“, meint Sebastian schmunzelnd. Corinna ergänzt: „Zu Beginn dominieren die leisen Töne, aber im Laufe des Abends wird es laut, chaotisch und bunt!“ Allen Stücken sind zwei Dinge gemein; sie sind absurd und spielen in Pubs. Gesprochen wird auf Englisch – so gut es geht – und damit nicht alles klingt wie bei der Deutschen Bahn, gibt’s parallel zum Probenverlauf professionelles Sprachcoaching von studierenden Anglisten und naturtalentierten Muttersprachlern. So wird zugleich gewährleistet, alle Gruppenmitglieder auf ein gleichmäßiges Niveau zu befördern. Durch die kleinen Einakter sind auch die Proben in kleine Gruppen aufgeteilt. „I love the concept of one acts with different directors. Especially because each director is working independently with the talented pool of actors and I can't wait to see what the others have put together with the same raw material I have“, sagt Seb gespannt vor der ersten Durchlaufprobe. Sein Kommentar drei Stunden später: „It's great to see the range of emotions and roles that each of the other directors has pulled from the same guys I’m working with.”
Das bisherige Ergebnis gleicht einem freudianischen Minenfeld, wie es in einem der Stücke so schön heißt. Mutterkomplexe, Depressionen, seelische Geister oder geistig zerrüttete Liebestolle. Freud würde zwischen Peitsche, Regenschirmen und einer Kloschüssel müde lächelnd daneben sitzen und kühles Guinness zischen, zufrieden mit sich, dem Unterbewusstsein und dem DOT.

 

WTF

Was: Plays in Pubs - Einakter von Ives, Stoppart und Shanley

Wann: 17. - 20. Juni, je ab 20 Uhr

Wo: P1, Uni Mainz

Aus der Mainzer Allgemeinen Zeitung 28. Mai 2013

von Lisa Maucher

 

Kämpfer, Träumer und Trinker

DECK 3 Studentische Theatergruppen bearbeiten Klassiker von Shakespeare und Kleist

Wie schön, dass fünf studentische Theatergruppen dieses Wochenende Platz auf „Deck 3“ des Staatstheaters fanden, um ihre individuell interpretierten Stücke vorzuführen. Obwohl Shakespeares „Twelfth Night – Or What You Will“ und Kleists „Kohlhaas“ am Samstag wenig Andrang fanden, war es erfrischend zu sehen, was junge Menschen aus diesen Klassikern herausarbeiten. Das bereits 1991 gegründete „Day-Old Theatre“ stellte mit wenig Requisiten und einem hervorragenden Englisch die Verwechslungskomödie glaubhaft dar. Zu Beginn des Stücks hört man Meeresrauschen im Hintergrund. Die junge Lady Viola wacht nach einem Schiffbruch an der Küste Illyriens auf und vermutet, dass ihr Bruder ertrunken ist. Sie erfährt, dass der Herzog des Landes unglücklich um eine reiche Gräfin namens Olivia wird und beschließt kurz darauf, sich als Edelmann Cesario auszugeben und an des Herzogs Hof zu dienen. Der Wechsel von der weiblichen zur männlichen Rolle gelingt Nicole Huber reibungslos, sogar ihre Bewegungen und ihre Mimik wirken männlich.

Die beiden Trinker Sir Toby (Ralf Keinath) und Sir Andrew (Thomas Pischek) ernten die meisten Lacher vom Publikum. Vor allem Keinath fasziniert in seinem Spiel so sehr, dass man sich fast nicht sicher sein kann, ob er vor der Aufführung nicht ein paar Gläschen gekippt hat. Seine Augen sind glasig, sein Lächeln verzerrt und sein Lallen perfekt. Die Kammerzofe (Marietta Meiser) der Gräfin erscheint in einem Mieder, das ihre Weiblichkeit in Szene setzt. Ihre charmante, verführerische Art zieht die Blicke aller auf sich. Im Laufe der Geschichte wird sich die Gräfin in den vermeintlichen Edelmann Cesario verlieben, doch am Ende wird alles aufgelöst, als der tot geglaubte Zwillingsbruder erscheint und für Cesario gehalten wird. Auffällig sind beim Ensemble die Professionalität, das ausgezeichnete Englisch und die Ästhetik der Kostüme.

Das „theaterblauerstern“ wagte sich mit „Kohlhaas“ an eine Neuinterpretation von Kai Ivo Baulitz, der den Stoff auf die heutige Zeit umgeschrieben hat. Sieben Schauspieler verkörperten Rebellen, deren Anführer geköpft wurde, und die sich jetzt neu organisieren müssen. Eigentlich wollten sie für mehr Gerechtigkeit und Freiheit kämpfen, doch jetzt merken sie nach und nach, dass ihre Ängste und Wünsche immer lauter werden. Alltagssprachlich bekommt der Zuschauer Einblicke in die Verzweiflung der Akteure, in denen sich jeder facettenweise wiederfinden kann. Wenn einer der Schauspieler hervortritt und monologisiert, wird eine Kamera auf ihn gerichtet, die das Gesicht auf eine große Leinwand projiziert. In diesem Stück begeben sich müde gewordene Widerstandskämpfer auf die Suche nach der Antwort, was Wahrheit ist, was Gerechtigkeit ist und ob nicht doch die Lösung der Tod selbst ist. Obwohl originelle Ideen, was die Umsetzung des Stücks angeht, sehr wohl auffallen, wirkt die einstündige Inszenierung recht hastig. Wenn die namenlosen Figuren gestikulieren oder mit ihrer Mimik spielen, scheint es manchmal aufgesetzt und der Text dazu auswendig gelernt. Was man auf jeden Fall mitnehmen kann, sind Fragen, die sich jeder schon gestellt hat. Und man sollte sie sich so oft stellen, bis man eine persönliche Antwort darauf gefunden hat. Dazu hat das „theaterblauerstern“-Ensemble auf jeden Fall angeregt

­­­­­

­­­­­

­­­­­

Auf Campus Mainz 30.Mai 2013

 

Premiere "Twelfth night, or what you will"

 

 

Die Theatergruppe des Day-Old-Theatres inszenierte am 29. April zum ersten Mal Shakespeares romantische Komödie ‘‘Twelfth Night, or what you will“ im Philosophicum – mit vollem Erfolg.

 

Die Premiere war gut besucht und es fiel auf, dass kaum noch ein Platz frei war. Sobald sich der Vorhang öffnete, verstummte der Saal. Bereits die erste Szene war komisch und brachte einige Lacher mit sich.

Als die junge Lady Viola ein Schiffsunglück vor der Küste Illyriens überlebt, glaubt sie, ihr Zwillingsbruder Sebastian sei ums Leben gekommen. Viola beschließt, als Knabe verkleidet in die Dienste des Herzogs Orsino zu treten, der über Illyrien herrscht. Orsino ist unsterblich in Gräfin Olivia verliebt. Diese hingegen scheint kein Interesse an ihm zu zeigen. Die als Mann verkleidete Viola, die sich jetzt Cesario nennt, gewinnt rasch die Gunst Orsinos und soll nun seine Liebesbotschaften an Olivia überbringen. Olivia fällt auf Violas Verkleidung herein und hat seitdem nur noch Augen für den ‘‘jungen Mann“. Tragisch nur, dass Cesario/Viola Gefallen an Orsino gefunden hat. Als dann der totgeglaubte Bruder von Viola plötzlich wieder auftaucht, ist das Chaos perfekt. Ob es ein Happy End gibt und wie sich dieses Liebesdurcheinander entwirrt, erfährst du an den untenstehenden Terminen.
Das Theaterstück besticht durch Humor, an manchen Stellen kann man gar nicht mehr aufhören, zu lachen. Doch trotz aller Komik verliert das Stück nicht seine Ernsthaftigkeit und auch tragische Momente kommen nicht zu kurz. Unter anderem durch die Schauspieler gelingt dem Stück die Balance zwischen Komik und Tragik. Die Darsteller sind allesamt sehr überzeugend und haben sogar einen britischen Akzent, was einem den Eindruck vermittelt, die Geschichte mitten im 17. Jahrhundert mitzuerleben. Dazu hat auch die ständig wechselnde Kulisse beigetragen. Die Mühe und die Zeit, die die Gruppe in das Stück investiert hat, war deutlich zu erkennen. Die Aufführung war rundum gelungen. Wenn du dich ebenfalls von dem Erfolg der Vorstellung überzeugen willst, dann kaufe dir im Philosophicum eine Karte für den 30. April, den 2., 3. oder 4. Mai und sei live dabei.

­­­­­

­­­­­

­­­­­

Aus der Stuz Mai 2013

 

Wer mit wem in Illyrien

Oder: „Was ihr wollt“

 

Zum ersten Mal nach über zwanzigjährigem Bestehen führt die Mainzer Uni-Theatergruppe „The Day-Old Theatre“
eine Komödie aus Shakespeares Feder auf – mit allerlei Verwechslungen rund um die liebe Liebe.

 

Calpo Salmrohr



Orsino liebt Olivia, Olivia liebt Cesario, Cesario liebt Orsino. Das ist das Dreieck, auf das man die Handlung von Shakespeares „Was ihr wollt“ fast gänzlich herunterbrechen kann. Aber nur fast, denn eigentlich liebt jeder irgendwen und nicht alle haben Glück. Da ist noch der betrunkene Onkel, der sich abwechselnd in einem Krug Bier und dem Dekolleté der Kammerzofe verliert. Da ist der miesepetrige Hausverwalter, der gern über seine Herrin gebieten würde – in jeder Hinsicht – und da ist der arme ehemalige Pirat Antonio, der einen Mann liebt, der sich den gesellschaftlichen Konventionen unterwirft und eine andere Frau heiratet. Shakespeare liefert genügend Stoff für grotesk-komische Szenen und Beschwörungen höchster Liebe – aber auch für Kritik an Hierarchie, Genderkonventionen und Alltagsmaskerade. Eine Komödie, die nicht immer nur komisch ist – aber immer öfter.

Das Mainzer Day-Old Theatre (kurz DOT) spielt nach zwanzigjährigem Bestehen wieder einmal Shakespeare und der Gruppentradition gemäß wieder einmal im Original – auf Englisch. „Twelfth Night“ (zu deutsch: „Was ihr wollt“) – eine Liebes- und Verwechslungskomödie. Mit sehr reduzierten Requisiten und exquisiten bunten Kostümen will das DOT sein Publikum in das fantastische Illyrien entführen und dabei jede Menge Lacher provozieren. Vor allem die Szenen der komischen Figuren sind hervorragend inszeniert und choreografiert sogar die Hosen scheinen ihr eigenes Leben zu haben und sich aktiv an der Ausgestaltung beteiligen zu wollen – auch gegen den Willen ihrer Träger!

Die langjährigen DOT-Spieler Ralf Keinath und Thomas Pischek laufen zu Höchstform auf und garantieren feuchte Augen. Ebenfalls eine neue Ebene erreicht die Unigruppe in der dargestellten Körperlichkeit. Alle Berührungsängste sind abgebaut und es wird kräftig angepackt, geküsst und gefummelt, keine Flirtszenen mehr mit Sicherheitsabstand. Auch die jahrhundertealte Thematik des Gender-Crossdressings und der Homosexualität, die in vielen Shakespearstücken mitschwingt, wird – natürlich – berücksichtigt. Nach dieser Inszenierung (Regie Viktoria und Sebastian Schmitt) ist nicht mehr sicher, ob sich die Figuren in Illyrien jeweils für die Konventionen und damit gegen die wahre Liebe stellen. Komisch ist das Stück, aber glücklich sind am Ende die Wenigsten.



Twelfth Night

Wann: 29. und 30. April, 2., 3. und 4. Mai
Wo: Hörsaal P1 (Philosophicum der Uni Mainz)
Preis: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro
Zusatzvorstellung: 25. Mai um 10 Uhr im Mainzer Staatstheater.



Aus der STUZ Januar 2012, Autor Johannes Kraus


About War’n’Terror


Live without war? No human being’s ever done that. Never will. It’s what makes us human.” Shoot/Get Treasure/Repeat: Ein Ravenhillmosaik über die Angst vor Krieg und Terror im P1. (jok)

 

 „Grell und absurd, ironisch und unmittelbar, leise und subtil, immer eindringlich“, so beschreibt das „Day Old Theatre“ den Charakter seines neuen Stückes. Seit über zwanzig Jahren ist die Unitheatergruppe mit ihren englischsprachigen Inszenierungen nun schon auf dem Mainzer Campus aktiv und aus dem dortigen Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Zu Beginn des neuen Jahres packen sie die Zuschauer gleich wieder kräftig bei den Ohren und Augen und schleudern ihnen nicht weniger als neun von 19 dramatischen Episoden des britischen Theatermachers Mark Ravenhill an den Kopf.

Der siebenjährige Alex träumt von einem gefallenen Soldaten, der seinen Kopf holen will und eine Mutter fürchtet die Worte, die den Tod ihres Sohnes bestätigen. Ein Schauspielensemble schreit nach Massenüberwachung und Brandmarkung, während Maria sich nur allzu bereitwillig foltern lässt. Viele kleine Momentaufnahmen sollen ein großes Gesamtbild von Krieg und Terror ergeben. Oder vielmehr von der Angst vor Krieg und Terror. Wie prägen und zerstören diese zwei Begriffe kulturelle Identität? Was machen sie mit unserer Psyche und Physis? Weitere Schlagworte sind Paranoia, Aggressionen und Gegenreaktionen.

Ein Mosaik aus Emotionen und bizarren Situationen, eben ein abstraktes Spektakel mit einer deftigen Note an Gesellschaftsanalyse und -kritik. Von Schwarzweißzeichnungen bis zu ambivalenten Täter-Opfer-Beziehungen reicht das Spektrum und egal ob langsam oder schnell inszeniert – früher oder später kippt die Stimmung, verkehren sich Charaktere in ihr Gegenteil. Unter der Leitung von Ruth Faßbender verkörpern alle Ensemblemitglieder mehrere Rollen und rotieren somit auch ihrerseits zwischen Identitäten hin und her.

„Shoot/ Get Treasure/Repeat“ heißt das Ravenhill- Potpourri und leichte Kost wird es nicht werden: „You know what was wrong with wars before? They ended. But this war on terror goes on and on and on and on …“ In yer Face, Publikum! Wer anspruchsvolles Theater mag, ist hier goldrichtig. Man darf gespannt sein, ob die DOT-Truppe der gewagten Stückauswahl gerecht werden kann. Die Proben laufen jedenfalls auf Hochtouren, die Premiere findet am 16. Januar im P1 statt.

Shoot/Get Treasure/Repeat Vorstellungen: 16.,17.,19. & 20. Januar, 20 Uhr, P1, Unicampus;

Preise: 6 bzw. 4 Euro www.dayoldtheatre.de

_______________________________________________________

 

Aus der STUZ online, 30.6.2011, Autor: Johannes Kraus

Es war einmal eine Zeit in Russland, da verbreitete ein böser Zauberer Not und Leid. Aber Hoffnung und Liebe waren stark. 29. Juni im P1 – das Abenteuer beginnt!

„Once upon a time the evil sorcerer Kashei held all of Russia under his destructive spell, spreading Hunger and suffering among the people. The only thing he did not possess was the ability to feel and love.”

Was für ein Einstieg. Mit dem Fantasy-Bühnen-Epos „Jarpteetza: The Firebird“ meldet sich das „Day Old Theatre” nach fast zweijähriger Pause zurück. Natürlich auf Englisch. Diesmal jedoch mit einem Stück, das auf einem russischen Märchen basiert. Einem Märchen vom legendären Feuervogel, der einem Phönix gleich symbolisch aus der Asche steigt, ein Zeichen für Freiheit und Hoffnung. Zwischen Dämonen und Verwandlungen schlagen sich tapfere Gefährten durch die russische Mythenwelt, vollgestopft mit Steam-punk-elementen, um den Bösen Zauberer Kashei zu entmachten. „Es ist ein lustiges und spannendes Theaterstück mit beeindruckenden Kampf- und Gesangseinlagen. Es handelt von nichts geringerem als der Freiheit, einem politischen Dauerbrenner“, beschreibt Thomas Pischek, der mit dem „Firebird“ sein Regiedebüt gibt. Und die Aufführung ist nicht nur sein „erstes Mal“, sondern auch die Deutsche Erstaufführung des Hoffnungstückes.

„One day, the sorcerer Kashei abducts Vasilisa, a fair and cheerful maiden, to learn about the power of love. But Vasilisa’s friends – her lover Prince Ivan, her sister Maria the Skillful, the timid clown Skomorokh, and Ilya the Strongman – immediately set out to rescue her, defeat Kashei, and free the land from Kashei’s terrible yoke.”

Das “Day-Old Theatre” feiert mit dem Feuervogel sein 20-jähriges Jubiläum und beweist aufs Neue, warum es sich so lange gehalten hat und nunmehr die älteste Theatergruppe auf dem Campus ist. „Zugegebenermaßen ist uns erst später aufgefallen, dass wir dieses Jahr unseren zwanzigsten Geburtstag feiern.

Wir fanden einfach, dass es wieder einmal Zeit für Fantasy und Märchen ist“, verrät Thomas, der selbst schon seit vielen Jahren der Schauspieltruppe angehört. Neben ihm stehen beispielsweise mit Nicole Huber, Ralf Keinath und Eric Hoenen auch noch ein paar altgediente Mimenveteranen auf der Bühne, die man aus vergangenen gefeierten Aufführungen des „Day Old Theatre“ oder dem „Theater Blauer Stern“ kennt. Ansonsten ist der Cast überwiegend frisch und bereits voller Vorfreude. Die zwölf Mannen auf den weltbedeutenden Brettern und die Fünfe hinter dem roten Vorhang haben bereits im Oktober des vergangenen Jahres mit der Vorbereitung zu dem Epos begonnen. „Das Spannendste an der Erarbeitung war die Umsetzung der Verwandlungen und die technische Realisation der Steam-Punk-Elemente“, erzählt Thomas. Steam Punk bezeichnet eine alternative Zukunftsästhetik, bei der fortgeschrittene technische Errungenschaften durch altertümliche Geräte, meist mit Dampfantrieb, dargestellt werden. Das Stück wurde vom amerikanischen Princeton-Dozenten Robert N. Sandberg geschrieben und wird der Tradition der Gruppe gemäß in Originalsprache, also Englisch, aufgeführt. „Wir haben auch alle russischen Wortfragmente aus der Originalfassung ersetzt. Es wird aber durch die Namen und die Dialoge dennoch deutlich, dass es sich um ein tolles russisches Märchen handelt“, verspricht der Regisseur.

„The friends do not know that they will have to overcome vicious demons, a wicked robber, and the powerful witch Baba-Yaga to reach kashei’s palace and face their most difficult challlange: Kashei’s immortality..”

Die Premiere ist am 29. Juni um 20 Uhr im P1. Das Day Old Theatre verspricht „a thrilling performance and a fantastic evening.” Man darf gespannt sein. Möge die Reise beginnen.

Jarpteetza: The Firebird

Ort: P1 auf dem Campus (Philosophicum)

Zeit: 29., 30. Juni und 1. sowie 2. Juli um 20 Uhr

Preis: 5 Euro für Studenten, 7 Euro für Erwachsene, 3 Euro für Kinder

Kartenverkauf: Philosophicum und an der Abendkasse

__________________________________________________________________________________



“Your tale, sir, would cure deafness.”
The Tempest

Besuch beim “The Day-Old Theater” der Uni Mainz
Authour: Kitty

Studententheater: es ist in seinen Inszenierungen oft viel näher am Publikum als das ‘große, ernste’ Theater der Stadttheater, es ist innovative, aber auch unbeholfen und improvisiert und die Fortführung der Theater-AGs aus Schulen, bemüht um Professionalität, aber gleichzeitig herrlich unprofessionell. Deswegen macht studentisches Theater Spaß. Da stehen Leute auf der Bühne wir du und ich. Leute die neben ihrem Studium freiwillig Zeit damit verbringen ihre Grenzen auszutesten, in andere Welten zu tauchen und am allerwichtigsten: die bereit sind es hinterher zugänglich zu machen. Eine Aufführung eines Studenten-Theaters zu besuchen ist so spannend wie an einem Knallbonbon ziehen – man weiß nie was kommt und wie groß die Explosion diesmal ist.

So oder so ähnlich waren unsere Gedanken, als wir uns aufmachten gegen Mainz – ein Auto voll Koblenzer Theaterspieler, bereit sich auf das Wagnis des „Day-Old Theater“ und studentisch gespieltem Shakespeare einzulassen.

Als wir ankamen, stellte sich bei uns zuerst einmal Neid ein. 1. Jeden, den wir auf dem Campus nach dem Weg fragten, wusste, wo wir hinwollten – anscheinend ist das Theater ganz schön bekannt. 2. Schon eine dreiviertel Stunde vor Aufführung war das Foyer mit gespannten Besuchern gefüllt – gute Chancen auf eine ausverkaufte Vorstellung. 3. Der Raum: eine feste Bühne, Vorhänge, Lichttechnik….muss ich noch mehr sagen?!

Trotzdem waren die Leute auf die wir trafen, alle super nett – es gab Studentenrabatt und auch, wenn irgendetwas mit unserer Reservierung nicht ganz geklappt hatte, bekamen wir den Vorverkaufspreis (und das, obwohl niemand wusste, dass wir sozusagen „Schauspielkollegen“ sind…). Außerdem Programmheftchen (und Erdnüsse) ganz umsonst und Getränke und Brezeln zu studentischen Preisen. Super!

Bevor es dann los ging gab es für die wartenden Zuschauer eine Ankündigung: eine der Hauptdarstellerinnen hat ein Kehlkopfentzündung, deswegen muss manches improvisiert und ‚umschifft’ werden, aber man hoffe, dass sich daraus für die Zuschauer keine Beeinträchtigungen beim Betrachten ergäben. Wer kennt das nicht? In unseren Köpfen stiegen grauenhafte Erinnerungen an blaue Flecke, Erkältungen, Bänderrisse und stimmliche Totalausfälle in der eigenen Aufführungswoche auf – und natürlich an die schrecklichen Stunden im letzten Jahr, als unser Hauptdarsteller sich auf der Bühne die Schulter auskugelte und wir beinahe alles hätten absagen müssen. Also an dieser Stelle Hut ab vor den Mainzern – bis zur zweiten Hälfte des Stücks waren wir sogar noch am rätseln, welcher Hauptdarsteller betroffen ist.

Noch habe ich gar nicht erwähnt, welches Stück sich die ambitionierte Truppe ausgesucht hatte, um es auf Englisch zu präsentieren: kein geringeres als Shakespeares „The Tempest“ (auf Deutsch „Der Sturm“). Das letzte Stück des größten aller englischen Dramatiker, dass nicht nur sprachlich eine Herausforderung ist, sondern ständig zwischen Komödie und Tragödie schwankt, zwischen Intrige und Liebe, zwischen Verbitterung und Hoffnung.

Das ganze Stück spielt auf einer Insel, die von dem Zauberer und rechtmäßigen Herzog von Mailand, Prospero und seiner Tochter Miranda bewohnt werden. Sie sind natürlich nicht freiwillig auf der einsamen, tropischen Insel, sondern wegen eines politischen Komplotts, der eigentlich zu ihrem Tod hätte führen sollen und der von Prosperos Bruder Antonio eingefädelt wurde. Nach 12 Jahren auf der Insel hat Prospero nicht nur den deformierten Sklaven Caliban unter seiner Herrschaft, sondern auch einige Schatten und Geisterwesen, so zum Beispiel den Luftgeist Ariel. Als nun der König von Neapel und sein Gefolge mit samt dem verhassten Bruder an der Insel vorbeisegeln, ergreift Prospero die Chance und befiehlt Ariel das Schiff zum Kentern zu bringen. Prosperos Magie und die Magie der Liebe (zwischen Miranda und dem Königssohn Ferdinand zumindest) bringen eine Menge Verwirrungen unter die Gestrandeten und Inselbewohner – bis schließlich am Ende alles gut wird. Mehr oder weniger.

Das Ensemble von „The Day-Old Theater“ hat sich hier an ganz schön schwierigen Stoff gewagt – meisterst das Stück aber recht gekonnt. Das ist vor allem der passenden Besetzung zu verdanken: Florian Küppers als Prospero im Flickenmantel mit Sauron –Stimme und Gandalf-Attitüde stemmt die Hauptrolle ziemlich routiniert, seine Tochter Miranda ist sehr niedlich und ihr Geliebter Ferdinand eine ganz tolle Schmalzlocke. Besonders beeindruckt hat uns die Leistung der (stimmlich nun eingeschränkten) Lisa Broscheit als Luftgeist Ariel. Ihre Körperhaltung, ihre Mimik und ihre Interaktion mit Prospero sind die überzeugendsten der ganzen Inszenierung. Sehr herausragend. Caliban , der intrigante Sklave hat eine ziemlich fiese Maske bekommen und interpretiert die Figur ein bisschen wie Gollum – man wartet förmlich darauf, das er gleich einen Ring hervorzieht und „My Precious….“ murmelt…Der König ist herrlich pathetisch, die zwei ebenfalls gestrandeten Nebenfiguren aka Stefano und Trinculo legen ein wunderbar übertriebenes Spiel an den Tag und sorgen für die meisten Lacher. Die anderen Nebenfiguren bleiben dagegen etwas blass, stellenweise auch unverständlich. Vielleicht hätte man da etwas kürzen können. Aber generell vergehen die 2h wie im Flug. Sehr gut gefallen hat uns auch die Einbindung der musikalischen Elemente – nur schade, dass man die Pianistin nicht sehen konnte – und die drei schwarzen „Spirits“ die sehr vielseitig eingesetzt wurden (als ‚Tragöden’, zum Umbau etc…).

Die Bühnendeko war eher schlicht, aber sehr passend. Es würde uns interessieren, ob sie den Sand jemals wieder von der Bühne bekommen. Die Kostüme waren irgendwie ein wenig inkohärent – manche schienen einfach nicht so ganz zu passen (zum Beispiel das von Miranda), manche waren zu grell (diese Muster von den Kostümen von Gonzala und Adriana stehen unter Augenkrebsverdacht, ganz ehrlich) und manche waren wohl einfach im Trubel des Gefechts verunglückt (warum trug Prospero im ersten Teil Turnschuhe?!).

Ein Haken der sich bei Shakespeare im O-Ton ergibt ist natürlich das ‚veraltete’ Englisch, das selbst für Anglistik-Studis nicht immer ganz zu fassen ist. Ein paar Mal hat das Verständnis etwas gelitten ob komisch intonierten und zu sehr auswendig gelernten Texten, manchmal war es auch ein bisschen leise – aber vor allem die Hauptdarsteller haben durch schöne Aussprache brilliert.

Also insgesamt eine nicht ganz runde, aber durchaus gute, kurzweilige Inszenierung, die den Besucheransturm durchaus verdiente. Wir freuen uns auf jeden Fall auf die nächste Inszenierung und vielleicht können wir die Gruppe ja auch für ein Gastspiel auf unserem Festival nächstes Jahr gewinnen.
Kitty

__________________________________________________________________________________


Transsylvanien erleben 

 

Das Day-Old Theater brachte Graf Dracula ins Philosophicum
Von vomstein

An der ehrwürdigen Johannes Gutenberg-Universität zu Mainz gehen seltsame Dinge vor sich: Die Anzahl der Menschen, denen man am Tage begegnet, schwindet scheinbar mit jedem Sonnenaufgang und diejenigen, die sich bei Tageslicht zeigen, führen Kruzifixe bei sich und müffeln kräftig nach Knoblauch. Man munkelt über die Existenz einer mysteriösen Gruft unter den Mauern des Philosophicums…

Das Day-Old Theater existiert an der Mainzer Universität bereits seit Ende 1991 und führte 1992 mit „An American Dream“ von Edward Albee sein erstes Stück auf. Bis zum vergangenen Jahr hat es die unabhängige Theatergruppe auf stolze 20 Bühnenspiele gebracht. Dieses Jahr folgten mit „The Importance of Being Earnest“ von Oscar Wilde und „Dracula“ von Hamilton Deane und John L. Balderston die Nummern 21 und 22.
Die Faszination rund um Graf Dracula aus Transsylvanien, einem Gebiet im heutigen Rumänien, ist bis heute ungebrochen. Bram Stoker schuf die Romanfigur im Jahr 1897 nach einem realen Vorbild, dem Fürsten und Feldherren Vlad III Draculea, dessen Vater „Dracul“ genannt wurde. Dracul bedeutet aus dem Rumänischen übersetzt so viel wie „Der Teufel“ und Draculea „Sohn des Teufels“. Dem Sohn des vermeintlich Gehörnten wurde äußerste Grausamkeit nachgesagt, wie zum Beispiel das Aufspießen beziehungsweise Pfählen seiner Feinde bei lebendigem Leib. Stokers Dracula war der erste Vampirroman der Literaturgeschichte, erschien in unzähligen Auflagen und Übersetzungen und wurde in mehr oder weniger dichter Anlehnung an das Buch etwa 30mal verfilmt, wobei die Dracula-Darsteller von Max Schreck über Bela Lugosi, Klaus Kinski und Christopher Lee bis hin zum parodistischen Spiel von Leslie Nielsen in „Dracula – Tot aber glücklich“ von Mel Brooks reichen.

Starker Kaffee macht nachts wachsam

Wer vor dem Öffnen des Vorhangs einen Blick ins Programmheft des Day-Old Theaters wirft, bekommt den Hinweis „a play for people who like their coffee strong“. Für den Autor dieses Artikels war dies schon fast Grund genug, sich in die Tiefen des Philosophicums zu begeben. Im Vorfeld war etwas Skepsis angebracht, ob im Hörsaal P1 tatsächlich so etwas wie eine „transsylvanische“ Atmosphäre entstehen kann, doch am Ende kann gesagt werden, dass ein Ort, der immer wieder zahlreichen Studenten das Fürchten lehrt, für die Gräueltaten des Grafen Dracula wie geschaffen ist. Die gruftartige Atmosphäre ist nicht zuletzt der Lichtinszenierung von Dagmar Noll und dem von Stefanie Bauer gesteuerten Sound zu verdanken. Das zwischendurch immer wieder eingespielte Hundegejaule tut ihr Übriges, damit man sich in die Welt der blutdurstigen, spiegelbildlosen Vampire einfühlt.
Die erste Theaterfassung von Dracula stammt von Hamilton Deane aus dem Jahr 1925 und feierte in Derby seine Premiere. John L. Balderston bearbeitete es für den amerikanischen Markt und brachte es zwei Jahre später in New York zum ersten Mal auf die Bühne, schon damals übrigens mit dem späteren Filmdarsteller Bela Lugosi. Das offensichtlich Ungewöhnliche an der Fassung der Mainzer Studenten ist, dass entgegen dem weit verbreiteten Weltbild, dass nur Männer zu wirklich barbarischen Taten imstande seien, die Hauptrolle nicht vom bösen schwarzen Mann, sondern von der bösen, schwarzen Frau besetzt wurde. Carolin Haas – siehe auch das Interview in diesem Blog – verkörpert Count Dracula derart Furcht einflößend, dass manch ein Theaterbesucher nach dem Stück vermutlich nicht alleine durch die Nacht nach Hause laufen wollte.

Zwischen den Kreuzen

Zur Handlung des Bühnenspektakels: Bevor Dracula in London auf seinen Beutezug gehen kann, ziehen zunächst ein paar Jahrhunderte ins Land, da der Graf auf die Erfindung des Flugzeugs wartet, um von den Karpaten problemlos überall nach Europa gelangen zu können, innerhalb von nur einer einzigen Nacht. Zeit zu warten hatte der Graf zwar genug, doch nach all den Jahren sehnt er sich nach einer Braut und seine Wahl fällt auf Lucy Seward (gespielt von Lisa Pfiester). Als ihr Vater (Felix Kaloianis), seines Zeichens Psychiater in einer Nervenheilanstalt in der Nähe von London, bemerkt, dass seine Tochter etwas blutleer wirkt, bittet er Professor Abraham van Helsing um Hilfe. Der Spezialist für mysteriöse Krankheiten weiß natürlich sofort, was los ist und die zwei roten Punkte an Lucys Hals nehmen ihm auch die letzten Zweifel. Der von Sven Langensiepen verkörperte Vampirjäger versucht nun, bewaffnet mit Kruzifix, Holzpflock, Knoblauch und Weihwasser, gemeinsam mit Doktor Seward und Lucys Verlobtem Johnathan Harker (Stefan Broscheit) Dracula zu zerstören. Dies ist natürlich kein leichtes Unterfangen, da sich der Graf nicht nur dem Verstand des ohnehin schon Verwirrten Renfield bemächtigt, sondern sogar Lucys Hausmädchen (Caroline Stöss) hypnotisiert, das Lucy eigentlich beschützen sollte. Renfield, dessen Charakter von Ralf Keinath gekonnt durch den Wahnsinn von Besessenheit und Verwirrung manövriert wird, öffnet dem Grafen viele Türen, da ihm dieser das ewige Leben versprochen hat. Am Ende siegt selbstverständlich das Gute, als Dracula zwischen den Kreuzen von Doktor Seward, van Helsing und Harker gestellt wird, nicht mehr fliehen kann und sich beim ersten Sonnenstrahl in Rauch auflöst.

Alle Darsteller wurden nach dem letzten Vorhang vom Publikum euphorisch gefeiert. Wer die tolle Bühneninszenierung von Daniel Dawla verpasst hat, dem sei empfohlen, am 23. Juni zum Klubkino in die Muschel zum Film „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ zu kommen. Das Werk von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922 ist direkt an Dracula angelehnt und gilt als Mutter aller Vampirfilme. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

Übrigens hätte Bram Stoker als Herkunftsort des Vampirs um ein Haar gar nicht Transsylvanien, sondern die Steiermark gewählt. Fragt sich nur, ob der Graf dann auch im breiten Österreichisch auf die Jagd gegangen wäre…